Wer das Klima schützt, schützt auch die Kinderrechte

Die indirekten Folgen des Klimawandels stellen eine noch nie dagewesene Bedrohung für die Gesundheit, die Ernährung, die Bildung, die Entwicklung, das Überleben und das Zukunftspotenzial aller Kinder weltweit dar. Folglich sind gesetzliche Rahmenbedingungen für den Klimaschutz wichtig, denn die Klimakrise ist auch ein Kinderrechtskrise. 

Klimakinder

Das Klimaschutzgesetz, über das die Schweizer Stimmbevölkerung am 18. Juni 2023 abstimmt, definiert einen Absenkungspfad, um die Treibhausgasemissionen in der Schweiz bis 2050 auf Netto-Null zu senken. Die Reduktion der Treibhausgasemissionen ist die einzige langfristige Lösung für die Klimakrise, da die Verbrennung fossiler Brennstoffe die Hauptursache des Klimawandels ist. 

Für eine kinderzentrierte Klimapolitik

Die Klimakrise ist eine Kinderrechtskrise: Mehr als 1 Milliarde Kinder weltweit sind bereits heute einem extrem hohen Klima-Risiko ausgesetzt. Und 99 % aller Kinder weltweit sind mindestens von einer grösseren Klima- und Umweltgefahr, einem durch das Klima verursachten Schock oder Stress bedroht. Ausserdem sind Kinder verletzlicher gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels, da sie eine andere Anatomie und Physiologie haben als Erwachsene. Im Vergleich zu Erwachsenen benötigen Kinder pro Einheit ihres Körpergewichts mehr Nahrung und Wasser, sind weniger in der Lage, extreme Wetterereignisse zu überleben, und sind anfälliger für giftige Chemikalien, Temperaturschwankungen und Krankheiten. 

Die Schweiz ist übermässig vom Klimawandel betroffen und so auch die Kinder. Die Temperaturen steigen momentan doppelt so stark an wie im weltweiten Durchschnitt. Gletscherschmelze, Erdrutsche, Überschwemmungen und eine veränderte Tier- und Pflanzenwelt haben Auswirkungen auf das Leben und das Lebensumfeld von Kindern in der Schweiz.

Nicht zuletzt leidet die menschliche Gesundheit unter extremer Sommerhitze. Insbesondere bei Kleinkindern sind die körpereigenen Funktionen zur Körperkühlung noch nicht vollständig ausgebildet. Obwohl Kinder besonders stark von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind, werden ihre Anliegen und Bedürfnisse in diesem Zusammenhang kaum in den politischen und öffentlichen Debatten rund um die Klimathematik berücksichtigt.

Darüber hinaus trägt die Schweiz übermässig zum Klimawandel bei durch Emissionen von Treibhausgasen – sowohl im Inland aber gerade auch in den globalen Lieferketten. Die Schweiz ist gefordert, ihre Verantwortung wahrzunehmen und ihre vergleichsweisen hohen Treibhausgasemissionen- rasch und deutlich zu senken. Das Klimaschutzgesetz zeigt auf, wie dieser Weg konkret gegangen werden kann. 

Der neue Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) unterstreicht die Dringlichkeit, im Klimaschutz rasch und entschieden zu handeln. Aus der Perspektive der Kinderrechte ist daher die Schweiz und auch alle anderen Staaten gefordert ihrer Verantwortung nachzukommen und folgendes zu tun:

  1. Treibhausgas-Emissionen reduzieren
  2. Eine «kinderzentrierte Klimapolitik» betreiben und Kinder als wesentliche und besonders verletzliche Anspruchsgruppe stets berücksichtigen.
  3. Investitionen in Klimaanpassung von grundlegenden sozialen Diensten (z.B. Wasserversorgung, Gesundheitssysteme) bereitstellen um die Resilienz und Anpassungsfähigkeit von Kindern und ihren Gemeinschaften gegenüber dem Klimawandel zu steigern.
  4. Kinder zu Nachhaltigkeits- und Klimathemen bilden und befähigen um sie auf das Leben in einer durch den Klimawandel veränderten Welt vorzubereiten.
  5. Kinder als «Akteure des Wandels» zu erachten und sie in politische Klimaverhandlungen und -Entscheidungen auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene einbeziehen.

Um die globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung und die Ziele des «Pariser Klimaabkommens» zu erreichen, muss unter anderem die Politik die nötigen Rahmenbedingungen schaffen. Nur so lassen sich in vielen Bereichen unserer Gesellschaft Veränderungen erzielen, die notwendig sind, damit den Kindern eine saubere, sichere und stabile Umwelt und damit die Realisierung ihrer Rechte zugesichert werden kann. Wer also das Klima schützt, schützt auch die Kinderrechte.